Vero läuft Instagram den Rang ab

Könnte man fast meinen…

Vero schickt sich an der neue Star der Social-Networks zu werden. So fühlt es sich zumindest an, wenn man etwas in den Nachrichten und den Netzwerken herumstöbert. Seit ein paar Tagen ist ein regelrechter Hype um die App entstanden und Vero will alles besser machen als Instagram. Aber hat der neue (gefühlte) Shootingstar wirklich das Potenzial?

Was macht Vero anders?

Vero verspricht, dass keine Werbung zwischen einzelnen Beiträgen gepostet wird. Jetzt stellt man sich natürlich die Frage, wie das Netzwerk finanziert werden soll. Die ersten 1 Millionen registrierten User sollen lebenslang beitragsfrei sein. Für Benutzer, die sich danach anmelden, will das Unternehmen einen Jahresbeitrag nehmen. Die Höhe steht derzeit nicht fest und mittlerweile sind laut eigenen Unternehmensangaben eine Millionen User angemeldet – momentan ist die Nutzung aber immer noch kostenlos.Wer sich noch schnell anmelden will, findet die kostenlose App im Appstore für iOS und Google Android.

Bei Instagram beschweren sich derzeit viele User über den Algorithmus, der bestimmt, welche Bilder wann und wem gezeigt werden. Bei Vero soll es keinen Algorithmus geben. Die Beiträge werden zeitlich eingereiht und auch dementsprechend gezeigt. Man kann aber auch bestimmen, wer welchen Beitrag sieht. Dazu gibt es verschiedene Benutzerkreise, in die man seine Kontakte einteilen kann.

Es gibt aber wirklich einen interessanten Aspekt: Man kann nicht nur Bilder posten, sondern auch

  • welche Musik man gerade hört
  • an welchem Ort man gerade ist
  • welche Serien gerade geschaut wird
  • einen Link zu einer Webseite
  • welches Buch man gerade liest

Wie läuft’s derzeit bei Vero?

Wenn man sich registrieren möchte, muss man seine Handnummer angeben, da man per SMS einen Registrierungscode bekommt. Dafür, dass das Netzwerk keine Daten sammeln möchte, ist dieser Vorgang schonmal seltsam. Aber gut, was bleibt einem für den Test sonst übrig. Nach der Registrierung sollte es dann losgehen…dachte ich. Die Oberfläche und das Design sind ansprechend, aber während der erste Woche war der Server derart überlastet, dass die App überhaupt nicht mehr reagierte. Gefühlte 90% der Zeit war das Netzwerk nicht online oder Suchanfragen gingen elend langsam vonstatten.

Vero App

Dies hat sich aber seit ein paar Tagen gebessert. Wenn man nach Hashtags sucht oder nach Benutzernamen aktualisiert sich die Suchliste flotter als vor einer Woche. Anscheinend ist der Ansturm dann doch zu hoch gewesen.

Ein paar Hintergrund-Infos

Wer denkt, dass Vero jetzt erst gegründet wurde, der irrt. Das Netzwerk gibt es schon seit 2015 und fristete bis heute eher ein Schattendasein. Warum gerade jetzt so ein Hype entsteht, ist nicht genau geklärt. Es wird vermutet, dass einige prominente Influencer das Netzwerk gezielt promoten, bestätigt wurde diese Annahme bis jetzt nicht.

Vielleicht verlockt auch die Tatsache, dass die ersten 1 Millionen User kostenlos den Dienst nutzen können und dadurch sich jeder noch schnell anmelden will.

Im Verhältnis zu Instagram spielt Vero mit seinen 1 Millionen User jedoch keine große Rolle – bei Instagram sind es derzeit über 800 Millionen.

Kritik gibt es auch an dem CEO des Unternehmens. Der libanesische Milliardär Ayman Hariri war früher Geschäftsführer eine Baufirma, die wegen schlechten Arbeitsbedingungen und Lohnentzug kritisiert worden war.

Wie geht es weiter?

Das ist natürlich schwer zu sagen, aber es sieht im Moment eher wie ein Strohfeuer aus. Die ersten User kehren Vero auch wieder den Rücken zu – sei es wegen undurchsichtigen AGBs, technischen Schwierigkeiten oder Kritik am Gründer. Die Idee des Netzwerks ist zwar gut und hat auch ein paar gute Ansätze, allerdings glaube ich nicht, dass sich Vero gegen Instagram durchsetzen kann. Ich werde das Thema aber im Auge behalten und bei Neuigkeiten berichten.

Written by Michael Gerhardy